Folgt ihm bis zum Ende

Folgt ihm bis zum Ende

„So manche unter euch fragen sich, warum sie gerade jetzt hier auf Erden sind und wie sie das, was sie sind, in dieser Welt, in der ihr lebt, zum Ausdruck bringen können. Wir verstehen diese Frage und da das DIE entscheidende Frage für jedes Leben ist, bitten wir euch, euch selbst zu würdigen, wann immer ihr sie stellt.

 

Vielleicht „wisst“ ihr die Antwort auf diese Frage jetzt noch nicht. Tatsächlich gibt es Zeiten, in denen ihr euch ziemlich verloren fühlt – in denen ihr euch nicht zurechtfindet. Würdigt auch diese Zeiten. Würdigt die glücklichen Zeiten und die schwierigen Zeiten. Ihr seid jetzt hier und in einem Prozess, der euch zur Wahrheit eures eigenen Seins führt. Alles im Leben führt euch in immer tieferen Kontakt mit dieser Wahrheit.

 

Der Weg zur Wahrheit ist keine Rennstrecke. Meistens ist er nicht einmal gut ausgeschildert. Er ist keine Autobahn, ja nicht einmal eine Fahrbahn – es ist ein Pfad. Manchmal ist er eben und gut zu erkennen, manchmal ist er ausgefahren und schwer zu erkennen. Aber es ist genau auf diesem Weg und auf keinem anderen, dass ihr euren Weg finden müsst.

 

Fehler gibt es auf diesem Weg nicht. Wenn ihr genau hinschaut, ist alles, was euch begegnet, ein Wegweiser, eine Markierung, eine Warnung oder eine Bestätigung des Weges, den ihr gehen müsst. Der Weg selbst ist der Wegweiser und ihr seid die Reisenden auf dem Weg.

 

Für die Reise, auf der ihr euch befindet, gibt es keine Landkarte. Es gibt keine Formel, kein Navi und keine klaren Wegbeschreibungen für euch, aber um genau diesen Weg zu gehen, seid ihr auf die Erde gekommen.

 

Niemand kann das für euch erledigen. Hin und wieder werdet ihr jemandem begegnen, der bereit und in der Lage ist, euch eine Weile zu begleiten, aber nur für eine Weile. Und hin und wieder werdet ihr feststellen, dass auch ihr in der Lage seid, jemanden zu begleiten.

 

Geht weiter. Und dann noch weiter. Und weiter. Vertraut dem Weg und vertraut der Reisenden/dem Reisenden, die ihren/der seinen Weg geht. Ihr wurdet geboren, um diesen Weg zu gehen. Folgt ihm bis zum Ende.“

 

 

Eine wahre Geschichte

 

Es war einmal eine Frau, die strickte.

Sie strickte den Himmel und den Friedhof,

enge Gassen und die Tiefsee, die Autobahn

und die Weide, Sternenlicht und die nackte Glühbirne.

Es war nicht leicht, solche Dinge auf ihre Stricknadeln zu nehmen,

aber sie wusste, dass sie schwierige Dinge schaffen konnte.

Natürlich zweifelte sie an sich selbst.

Das hielt sie jedoch nicht vom Stricken ab.

 

Jeden Augenblick eines jeden Tages die Möglichkeit,

alles, was sie sah und schmeckte, fühlte

und hörte, in eine Decke zu verweben, die groß genug war,

um jeden zu umhüllen. Sie war nie wirklich groß genug,

obwohl sie jeden Tag weiterstrickte.

Sie konnte spüren, wie seidig, wie kuschelig sie war.

Was Weichheit ausmacht, ist kein Geheimnis. Es ist Liebe.

 

Manchmal ließ sie eine Masche fallen. Manchmal

verlor sie das Muster und musste eine Reihe neu beginnen.

Manchmal musste sie sich etwas Neues ausdenken.

Aber sie wusste, was sie tun musste. Etwas. Irgendetwas.

Alles, was sie konnte, um diese traurige und schöne

Welt für alle ein wenig weicher zu machen. Es gibt kein Ende

für die Arbeit, die sie tut. Jeden Tag nimmt sie

sie wieder auf, bewundert die Fortschritte, die sie gemacht hat, sorgt sich

um die Löcher und beginnt erneut zu stricken.

—Rosemerry Wahtola Trommer